Niccolò MachiavelliDer hysterischen politischen Diskussionen der Gegenwart überdrüssig, verstecken wir uns manchmal in unserer Bibliothek. Hier begegnete uns heute morgen Niccolò Machiavelli. Er lebte in Zeiten, die mindestens so bewegt waren, wie die unsrigen. Und er wusste, wie man in solchen Zeiten Politik machen muss.

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"Ma essendo l’intento mio scrivere cosa utile a chi l’intende, mi è parso più conveniente andare dietro alla verità effettuale della cosa, che all’immaginazione di essa: e molti si sono immaginate Repubbliche e Principati, che non si sono mai visti nè cognosciuti essere in vero; perchè egli è tanto discosto da come si vive, a come si doveria vivere, che colui che lascia quello che si fa per quello che si doveria fare, impara piuttosto la rovina, che la preservazione sua; perchè un uomo che voglia fare in tutte le parti professione di buono, conviene che rovini fra tanti che non sono buoni...

...Da aber meine Absicht darauf gerichtet ist, etwas für den, der Verständnis hat, Nützliches zu schreiben, so scheint es mir angemessener, die Dinge so darzustellen, wie sie in Wirklichkeit liegen, als bloßen Phantasien über sie zu folgen. Gar viele haben ja Republiken und Monarchien erdacht, dergleichen niemals gesehen worden, oder in der Wirklichkeit begründet gewesen sind. Aber es besteht ein so großer Unterschied zwischen dem, was das Leben ist und dem was es sein sollte, dass der, der das Erste vernachlässigt und sich nur nach dem Letzten richtet, sich eher den Untergang schafft als die Rettung. Denn jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zugrunde gehen...


Ferner glaube ich, dass es dem gut geht, der in seiner Handlungsweise mit dem Geiste der Zeit zusammentrifft, und dass andererseits der Misserfolg haben muss, der mit den Zeiten in Widerspruch gerät... Ebendaher kommt der Wechsel im Glück; denn wenn jemand mit Vorsicht und Besonnenheit und Geduld vorgeht, und dazu die Umstände wohl stimmen, so geht alles gut vonstatten. Ändern sich Zeiten und Umstände, so geht er zugrunde, wenn er sein Betragen nicht ebenfalls ändert... So geht es dem vorsichtigen Manne. Wenn es Zeit ist, dreist daraufloszugehen, so vermag er dies nicht, und so muss er zugrunde gehen. Hätte er seine Gemütsart mit den Zeiten und Umständen geändert, so hätte das Schicksal sich nicht geändert...

...Credo ancora, che sia felice quello, il modo del cui procedere suo si riscontra con la qualità de’ tempi, e similmente sia infelice quello, dal cui procedere si discordano i tempi... Da questo ancora dipende la variazione del bene; perchè se a uno, che si governa con rispetto e pazienza, i tempi e le cose girano in modo che il governo suo sia buono, esso viene felicitando; ma se li tempi e le cose si mutano, egli rovina, perchè non muta modo di procedere. ... e però l’uomo rispettivo, quando gli è tempo di venire all’impeto non lo sa fare; donde egli rovina; che se si mutasse natura con li tempi e con le cose, non si muterebbe fortuna."


Niccolò Machiavelli: Il Principe. Entstanden 1513.



Das tut weh. Aber auf Italienisch klingt es nicht ganz so schlimm.

Diese nüchterne Sicht der Dinge will irgendwie nicht zur deutschen Mentalität passen. Nördlich der Alpen halten viele es doch eher mit einem deutschen Zeitgenossen des großen Florentiners: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.“
 

 

Bild:
Santi di Tito: Niccolò Machiavelli (Detail). Via Wikimedia Commons.

 

 

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