Bringen schwarze Katzen Unglück?

Bringen schwarze Katzen Unglück? Bringt Handel Frieden?


Neulich haben wir auf die Lebenslügen der deutschen Außenpolitik im vergangenen Vierteljahrhundert hingewiesen. Heute dazu noch eine Lektürefrucht:

Piotr Buras diskutiert in einem Kommentar für den European Council on Foreign Relations den "Polish-German Split" und macht dabei drei hergebrachte Glaubenssätze deutscher Außenpolitik aus, die durch die Ukrainekrise fragwürdig geworden sind.

  1. Der Glaube an die befriedende Wirkung wechselseitiger Abhängigkeit, zusammengefasst im Slogan "Wandel durch Annäherung"
    Die im Vergleich zu früher deutlich höhere wirtschaftliche und politische Verflechtung zwischen Deutschland und Russland konnte die Ukraine-Krise aber weder verhindern noch bewältigen.
    Ergänzung: Man könnte sogar spekulieren, ob nicht die Abhängigkeit Deutschlands und Mitteleuropas von russischem Gas die russische Führung gerade zu einer aggressiven Politik ermuntert hat.

  2. Der Glaube an den Vorrang der Geoökonomie gegenüber der Geopolitik, also die Annahme, dass Staaten immer ihren wirtschaftlichen Interessen gemäß handeln und dass nicht-ökonomische Ziele zweitrangig seien
    Dass ihre Ukraine-Politik Russlands Wirtschaft erheblich schadet, kümmert die russische Führung jedoch wenig. Wirtschaftliche Anreize in Gestalt von Sanktionen funktionieren nicht.

  3. Der Glaube, dass Deutschland in Europa nur eine von mehreren Führungsmächten sei, weshalb man bei der Reaktion auf Krisen anderen Staaten den Vortritt lassen könne
    Tatsächlich aber sind Großbritannien und Frankreich mittlerweile so geschwächt, dass Deutschland das Heft des Handelns quasi allein in die Hand nehmen muss. Wenn Deutschland es nicht tut, tut es keiner.
    Ergänzung: Man könnte auch sagen: Wenn Deutschland es nicht tut, tun es die Amerikaner - aber nur halbherzig und in einer Weise, die vor allem dem nationalen Interesse der USA dient. Deutschland muss auch deshalb so engagierte Krisenpolitik machen, damit das Machtvakuum westlich von Russland nicht von den USA gefüllt wird.


Mit den Glaubenssätzen ist das so eine Sache. Wenn man erst einmal angefangen hat zu glauben, ist der Weg zum Aberglauben oft nicht mehr weit. Aberglaube ist eine vermeintliche Gewissheit, die durch die Wirklichkeit schon widerlegt ist , aber weitergeglaubt wird - aus Faulheit, Unwissenheit oder um nicht zugeben zu müssen, dass man sich geirrt hat.


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