Viele der mehrheitlich russischsprachigen Bewohner der Krim sehen für sich keine Zukunft mehr im ukrainischen Staat – es zieht sie unter die schützenden Fittiche Russlands. Andrei Janizki erklärt auf den Seiten des Kiewer Politmagazins Левый берег (Léwy Béreg), warum das so ist.

Kurz auf Deutsch:

1. Viele Menschen auf der Krim fürchten tatsächlich um ihre Sicherheit.
Die russischsprachigen Medien – vor allem aus Russland selbst – bombardieren ihr Publikum seit Wochen mit Horrorgeschichten über brutale Nazihorden, die angeblich in Kiew und der Westukraine Jagd auf harmlose Bürger machen, besonders auf Menschen, die Russisch sprechen.

Das hat zwar mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Die kraftmeierische Rhetorik einiger rechtsorientierter Revolutionspolitiker trägt aber nicht gerade dazu bei, die Menschen auf der Krim zu beruhigen.


2. Viele Menschen auf der Krim fürchten die Demontage des ukrainischen Sozialstaats.
Die Ukraine ist beinahe pleite, und einige Medien wollen erfahren haben, dass die neue Regierung drastische Sparmaßnahmen plane. So solle z.B. das Rentenalter für Frauen auf 63 Jahre angehoben werden; die bislang stark subventionierten Preise für Wasser, Strom und Gas sollen angeblich drastisch steigen.

Viele auf der Krim hoffen, dass ihnen unter russischer Herrschaft Sozialkürzungen wie in Griechenland erspart bleiben.


3. Viele Bewohner der Krim wollen ihre Region endlich selbst verwalten.
Zwar war die Krim theoretisch schon bisher eine Autonome Republik. Trotzdem bekamen die Einheimischen viele hohe Beamte und Bürgermeister von Kiew vor die Nase gesetzt.

Viele hoffen, dass mit dem geplanten Referendum über die Zugehörigkeit zur Ukraine neue Zeiten anbrechen, in denen die Bürger selbst über ihre Angelegenheiten bestimmen können.


4. Viele Bürger fürchten, aufgrund ihrer russischen Muttersprache künftig in der Ukraine diskriminiert zu werden.
Eine der ersten Aktionen der neuen Kräfte in Kiew war der Versuch, Ukrainisch überall als alleinige Amtssprache durchzusetzen. Der Versuch scheiterte zwar vorerst, aber die antirussische Rhetorik mancher rechter Revolutionspolitiker macht vielen Menschen Sorgen.

Wenn die neue Macht in Kiew den Separatisten auf der Krim und in der Ostukraine den Wind aus den Segeln nehmen will, muss sie die nationalistischen Heißsporne in den eigenen Reihen schnell unter Kontrolle bringen und ernsthaft um die russischsprachigen  Bürger werben.


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