Abraham a Sancta Clara, gestorben am 1. Dezember 1709

"Der Krieg ist eine Mutter alles Unheils.
Zur Kriegszeit ist gar keine Fastnacht, wohl aber ein ständiger Aschermittwoch, weil alles in Asche gelegt wird.
Zur Kriegszeit wird das Vieh hinweggetrieben, nur das elendige Getier bleibt im Land.
Zur Kriegszeit wird der Acker verwüstet, entgegen der Gottesacker angefüllt.
Zur Kriegszeit wird alles Geld hinweggeraubt, außer Fersengeld, das bleibt selten aus.
Zur Kriegszeit werden alle Lustgärten zerstört und bleibt nichts anderes stehen als die Schwertlilie.
Zur Kriegszeit haben die Leute wenig Brocken zu essen, aber harte Brocken genug zu schlucken.
Zur Kriegszeit findet man die Häuser leer mit Lebendigen, entgegen die Felder voll mit Toten.
Zur Kriegszeit ist die Wassersucht in den Augen, die Schwindsucht im Beutel, die Dürrsucht im Leib, das Elend im Land und die Klag überall – zur Kriegszeit.
Der vorher stattliche Pferde gehabt hat, muss mit einem hölzernen Schubkarren vorlieb nehmen.
Der vorher in linden Federbetten gelegen, muss sich mit einem grünen Betttuch auf der Erde begnügen.
Zur Kriegszeit hat, wer vorher kein Leid, aber viel Getreid gehabt, nachher kein Getreid, nur viel Leid."

Aus: Abrahamisches Bescheid-Essen. Wien und Brünn 1717.

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