Anlässlich des 20jährigen Jubiläums der 89er Revolution nimmt sich Anthony Barnett auf openDemocracy des Themas noch einmal an. Uns hat vor allem sein Vergleich zwischen den Revolutionen von 1989 und den klassischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts etwas gelehrt.

Die klassischen Revolutionen waren nationalistisch. Die Ideale der politischen Freiheit und der nationalen Selbstbehauptung waren aufs Engste miteinander verbunden.

 

Warum war das so? Weil die herrschende Schicht, gegen die die Revolutionäre sich wandten, international vernetzt war, das Volk aber nicht. Weil der Hochadel kosmopolitisch orientiert war, Bürger und Bauern dagegen auf das eigene Staatswesen, auf die eigene Provinz ausgerichtet waren. Weil ein Aufstand gegen die Unterdrücker leicht dazu führen konnte, dass diese sich in einer Internationale der Despoten übernational solidarisierten und infolgedessen ausländische Heere über die Freiheitskämpfer hereinbrechen konnten. Wer politische Freiheit wollte, musste daher auch dafür kämpfen, seine Heimat von ausländischen Einflüssen in Gestalt von Kanonen und Bajonetten frei zu halten.

1989 lagen die Dinge umgekehrt. Hier war es die freiheitshungrige Bevölkerung, die international orientiert war – nämlich zum einen auf den Westen, zum anderen auf die sich reformierende Sowjetunion –,  während die herrschenden Eliten sich verzweifelt an einem nationalen Modell des Kommunismus festklammerten.

In jedem Fall aber war das, was wir heute in seiner weiterentwickelten Form Globalisierung nennen, ein wichtiger Faktor beim Kampf um Freiheitsrechte. Wobei wieder einmal zu sehen ist, dass Globalisierung sich zum Thema Freiheit neutral verhält. Wenn die Bösen international besser vernetzt sind als die Guten, ist Nationalismus für die Freiheitskämpfer eine naheliegende strategische Orientierung. Die Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt.

 

 

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