Was man schreibt, bedarf meist der Begründung. Was man nicht schreibt, manchmal auch.


Der G-20-Gipfel ist vorbei, und hier wurde nicht darüber geschrieben. Die Herrschaft des IS in Mossul ist Vergangenheit, und hier war darüber kein Wort zu lesen. Die deutsche Luftwaffe zieht nach allerlei diplomatischem Geplänkel und politischem Gezänk aus der Türkei ab, und hier wurde es nicht kommentiert.

Warum nicht?

Weil dies alles für Deutschland und die Welt da draußen unwichtig ist: Es wird den Gang der Dinge nicht ändern.

Der G-20-Gipfel hat der Welt keinen New Deal für die Zukunft gebracht, und das war schon vorher klar. Die Ausschreitungen in Hamburg haben – anders als ständig behauptet – keine neue Dimension politischer Gewalt erschlossen, sondern waren so, wie es eben zu erwarten ist, wenn Dummheit, Frust und Ideologie sich vor den Augen der Weltmedien ein Stelldichein geben.

Die Rückeroberung Mossuls hat dem islamischen Extremismus im Allgemeinen und dem IS im Besonderen nicht den Garaus gemacht. Der Krieg im Nahen Osten geht weiter, und auch die nächsten Terroranschläge sind nur eine Frage der Zeit.

Das Trauerspiel der deutsch-türkischen Beziehungen – oder ist es eine Komödie? - hat mit dem Umzug der Luftwaffe nach Jordanien noch lange nicht den letzten Akt erreicht. Was den Steuerzahler Geld kostet und den Kampf gegen den IS behindert, ist nur eine weitere Pose, mit der die türkischen, aber auch die deutschen Akteure Szenenapplaus ihres Publikums einzuheimsen hoffen. Es wird die letzte nicht gewesen sein.
 

Es ist ja nicht selten so, dass der mediale Aufwand, mit dem über Ereignisse berichtet wird, in keinem Verhältnis zu ihrer historischen oder auch nur politischen Bedeutung steht.  Das ist natürlich nicht schlimm, denn die Aufgabe der Nachrichtenmedien erschöpft sich ja nicht in der objektivierenden Einordnung des Weltgeschehens. Das Publikum möchte auch – in einem weiteren und durchaus guten Sinne – unterhalten werden: Menschen wollen auf dem Laufenden gehalten werden über Vorgänge, die sie vielleicht nicht im Alltagsleben betreffen, aber doch innerlich berühren oder zumindest ein neugieriges Interesse befriedigen. Durch solche – für unser Handeln nicht relevanten – Informationen bauen wir uns doch unser Weltbild, verschaffen wir uns Orientierung im Leben. Alles gut.

Trotzdem habe ich mich in den letzten Tagen angesichts des Tsunami an Berichten über den G-20-Gipfel und seine Begleiterscheinungen, angesichts der Flutwelle von Bewertungen, Kommentaren, Bewertungen von Bewertungen und Kommentaren zu Kommentaren des öfteren gefragt: Könnten all diese Journalisten, Analysten, Kommentatoren und Meinungsträger ihre Energie und ihre Talente nicht sinnvoller einsetzen? Es ist ja nicht so, als gäbe es sonst nichts zu berichten, zu bewerten und zu kommentieren. Steigende Flüchtlingszahlen in Italien? Der Versuch eines Verbots von Atomwaffen? Initiativen für eine EU-Sicherheitspolitik, die den Namen verdient?  

Hier auf reichsfrei.de soll es auch weiter keine tiefschürfenden Analysen von ergebnislosen Gipfeltreffen, nichts entscheidenden Schlachten und außenpolitischem Herumgeschubse geben. Nicht weil es uninteressant oder unseres menschlichen Mitgefühls nicht würdig und bedürftig wäre; sondern weil es schwer ist, sich über irrelevante Ereignisse relevante Gedanken zu machen.
 

  
  

1 Kommentar

Linear

Kommentar schreiben

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt